Die Unzuverlässigkeit ist zuverlässig

michael | Mexiko,Michael meint... | 2009-01-21 |

Wenn man in Mexiko lebt, muss man auf vieles gefasst sein und auch bereit sein sich auf weniges zu verlassen.

Bin neulich mal wieder ausgegangen und kam vollgestunken wieder nach Hause. Die “Ley General para el Control del Tabaco” (Gesetz zum Schutz der Nichtraucher) wurde vollkommen ignoriert.

Die Nachfrage beim Kellner ob man denn rauchen dürfe wurde mit einem freundlichen Überreichen des Aschenbechers quittiert.

Die mexikanische Regierung kann noch so viele Gesetze verabschieden, aber so lange die Durchsetzung dieser Gesetze auf traditionelle mexikanische Art und Weise geregelt wird, sind sie nicht die Tinte auf dem Papier wert.

Laut “Ley General para el Control del Tabaco” ist jeder Bundesstaat dazu verpflichtet eine kostenlose Telefonnummer zur Verfügung zu stellen um Anzeigen zu erstatten. Nun kenne ich mich im Internet sehr gut aus, aber die Telefonnummer für Querétaro ist nicht auffindbar. Auch ein Anruf beim Informationsdienst von Telmex lief ins Leere.

Dann habe ich mal mit Kanonen auf Spatzen geschossen und bin auf die Webseite der PGR gegangen, um eine anonyme Anzeige abzugeben. Normalerweise werden hier schwere Verbrechen wie z.B. Entführungen, Drogenhandel, usw. “anonym” angezeigt… von der gespeicherten IP-Adresse mal ganz abgesehen. Nachdem ich das Formular ausgefüllt und abgeschickt habe, erschien eine Nachricht: “Ihre Anzeige kann momentan leider nicht weitergeleitet werden!”

Ok, dann gehe ich eben noch auf www.salud.gob.mx, die sind ja gesetzlich verpflichtet die Telefonnummer bereitzustellen. Leider ist die Seite offline.

Manchmal kann man sich in Mexiko nur auf die Unzuverlässigkeit verlassen.

Was folgt nach “¡Haz patria, mata un chilango!” ?

michael | Mexiko,Michael meint... | 2009-01-16 |

Vor einigen Jahren gab es Banner und Autoaufkleber mit der Aufschrift:

“¡Haz patria, mata un chilango!” – frei übersetzt: “Sei ein patriot, töte ein Chilango!”
Als “chilango” bezeichnet man in Mexiko die Einwohner Mexiko-Stadts. Angeblich soll der Name aus der Mischung von “Chile” und “Chango” entstanden sein: “Cuerpo de chile y cara de chango” – Chile-Körper und Affengesicht.

Jetzt setzt sich die “Grüne Partei” in Mexiko für die Anwendung der Todesstrafe in Mexiko ein. Und zwar für Entführer und Schwerstkriminelle.

Heute meldet sich der “Comando Cuidadano por Juárez (CCJ)” zu Wort, und veröffentlicht die Absicht alle 24 h einen Kriminellen zu liquidieren. Ganz nach dem Motto: “¡Haz patria, mata a un criminal!”

Beides finde ich nicht so toll.

Aber wie wäre es damit:

“¡Haz patria, mata un funcionario público corrupto!”
“Sei ein Patriot, töte einen korrupten Beamten!”

Das ist meinerseits kein Mordaufruf.
Nur ein süßer, perverser jedoch unwiderstehlicher Gedanke.

;-)

Schnauze voll!?

michael | Mexiko | 2009-01-16 |

Mexicos Bürger setzen sich zur Wehr.

Die erste “bürgerliche Kommandoeinheit für Juárez” ist heute an die Öffentlichkeit getreten. Der “Comando Ciudadano por Juárez (CCJ)” hat sich vorgenommen alle 24 h einen Kriminellen in der Stadt Juárez, im Bundesstaat Chihuahua, zu ermorden.

Die Kommandoeinheit schreibt die allgemein herrschende Straflosigkeit sei nicht mehr hinzunehmen, und da die Regierung unfähig sei für die Sicherheit der Bürger zu garantieren würde sie das Problem selbst in die Hand nehmen.

Sie ruft auch die Bürger der Stadt Juárez dazu auf, sie zu unterstützen und Kriminelle zu denunzieren. Dazu werde in Kürze eine E-Mail-Adresse veröffentlicht, an welche man die Daten der bekannten Kriminelle schicken soll.

Der Spruch der CCJ lautet: “Patria y justicia, por una nación para todos” – “Heimat und Gerechtigkeit, für eine Nation für alle”.

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