Entführungen in Mexiko
Genau vor einem Jahr gab es in unserem Freundeskreis auch eine Entführung.
Gott sei Dank wurde er unversehrt und nach Bezahlung der Lösegeldsumme schnell wieder freigelassen. “Schnell” bedeutet hier 3 Wochen; unversehrt bedeutet ihm wurden keine Finger abgeschnitten wie es sonst üblich ist. (Allerdings wurde sehr wohl die Fingeramputation bei ihm simuliert… aber das ist eine andere Geschichte).
Seine Familie hat sich nicht an die Polizei gewendet, sondern an die AFI (Agencia Federal de Investigación… also mehr oder weniger die Bundespolizei). Die haben ihren Job sehr gut gemacht, besonders bei der Verhandlungen über die Lösegeldsumme.
Sehr beunruhigend fand ich jedoch folgende Punkte:
- Laut Aussage des AFI-Agenten gibt es 100 Entführungen pro Tag in Mexiko. Die überwiegende Mehrheit dieser Entführungen finden in Mexiko City und in Tijuana statt. Allerdings sind bei diesen 100 Entführungen pro Tag auch Express-Entführungen mit inbegriffen. Express-Entführungen sind solche in der die Geisel nicht länger als 24 h in der Gewalt der Entführer ist.
- Die Lösegeldsumme war, meiner Ansicht nach, extrem gering. Die lag im 5-stelligen Dollar-Bereich. Ich dachte immer die liegen im Millionen-Dollar Bereich. Scheinbar ist der ROI auch bei niedrigeren Summen noch ausreichend.
Nur wenige Entführungsbanden werden gefasst. Daher ist es trotz niedriger Lösegeldsummen ein gutes Geschäft.
Es hat sich eine regelrechte Industrie daraus entwickelt. (Eigentlich sollte man in dieser Branche wahrscheinlich auch von ROR sprechen, Return On Risk, anstatt von einem ROI, Return On Investment).
Entführungen im Akkord
Mein entführter Freund berichtete dass diese Bande kontinuierlich Leute entführte. Kaum wurde ein Opfer freigelassen, bzw. dessen Zimmer wieder frei, kam das nächste Opfer rein.
Genau in diesem Augenblick, während du diese Zeilen liest, sind mindestens 15 Personen in der Gewalt dieser Verbrecher.
Und das ist leider nur eine Bande von vielen.
P.S.:
Gute Nachricht:
Querétaro soll angeblich die zweit sicherste Stadt Mexikos sein. Das stimmt auch mit meiner Erfahrung überein. Entführungsfälle sind mir hier in den letzten drei Jahren nicht zu Ohren gekommen.
Schlechte Nachricht:
Bekannte und Freunde von mir haben das Land aus Sicherheitsgründen schon verlassen.
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